Die Mansfelder Schlotten - Höhlen im Gipskarst

„Im Hangenden des Kupferschiefers kommen im Mansfeldischen und an dem Harze sehr mächtige Ablagerungen von körnigem bis dichtem Gyps vor, der von bedeutenden Schlotten und Höhlen durchzogen wird, was wiederum Einstürzungen derselben, Erdfälle im Gefolge hat. Unter jenen üben namentlich die in der Nähe von Wimmelburg leicht zugänglichen Schlottenzüge auf alle Bewohner der Umgegend einen mächtigen Reiz aus. Und in der That muss dieses Labyrinth von glocken- und domartigen Höhlen, welche durch engere Schluchten verbunden, den schneeweissen oder zierlich geaderten oder gefleckten Gyps durchziehen, die höchste Bewunderung erregen.“    

Hanns Bruno Geinitz (Dyas, 1862)



Im Paralleldom der Wimmelburger Schlotten. Aufnahme Michael K. Brust am 04.02.2010, Assistenz Klaus Krüger.



Spätestens seit dem 16. Jahrhundert verwendete der bergamtliche Sprachgebrauch im damaligen Kursachsen, im Thüringischen und im Braunschweigischen (also im Erzgebirge, im Thüringer Wald sowie im Harz) das Wort Schlotte ( Plur. Schlotten, Frnhd. slutte, Plur. slutten) zur Bezeichnung von natürlichen unterirdischen Hohlräumen, die beim Bergbau angetroffen worden sind. Im 19. Jahrhundert wurde dann in der Litaratur mit recht genauer Begriffsbestimmung von Kalkschlotten gesprochen. Erst im 20. Jahhundert wird in der Literatur von "Mansfelder Schlotten" gesprochen, weil in der Geologie gelegentlich noch andere Naturphänomene als Schlotten bezeichnet werden (Karrenbildungen im Gips). 

 

Das Wort Höhle hingegen, das im heutigen Sprachgebrauch als Synonym für Schlotte zu gelten hätte, wurde damals in einem ganz anderen begrifflichen Sinne verwendet. Es war der Bezeichnung von Fuhrwerken mit einem „genormtem“ Laderaum vorbehalten, in denen das Erz nur durch eigens vereidigte Höhl[en]knechte von den Schächten zu den Hütten transportiert werden durfte. Dieser Begriff ist erst außer Gebrauch gekommen, als Erze auf Schienenwegen durch Maschinenkraft transportiert werden konnten.

 

Historische Ansicht der Friedeburger Hütte, handkolorierte Lithographie von Carl Friedrich August Giebelhausen (1836). Im Bild rechts unten eine Höhle, die von der Hütte zurück zum Schacht fährt. Privatbesitz von Michael K. Brust, (C) Alle Rechte vorbehal

Literatur

 

Brust, M. K.; Elste, A.; Graf, J. & Wäsche, T. (2016): Die Mansfelder Schlotten. Ein einzigartiges Phänomen des Bergbaus auf Kupferschiefer. – Tagungsband 19. Internationaler Bergbau- und Montanhistorik-Workshop Mansfeld-Südharz S. 108-126, 21 Abb.; Clausthal-Zellerfeld (Grubenarchäologische Gesellschaft).